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Ozean des Friedens

Die Ausstellung „Ozean des Friedens“ überschreibt eine Doppelausstellung, die vom 15. März 2016 an für zwei Monate in einer Bogener Kunstgalerie zu bestaunen sein wird. Der traurigere Teil der Ausstellung zeigt bisher ungesehene Originalzeichnungen und Bilder von Kindern und Jugendlichen der Sambodhi School in Sri Lanka, genauer gesagt in der Stadt Galle. Was der Titel „Die Welle, die alles verschlang!“ schon verrät, ist die schockierende Tatsache, dass Herr Brieger im Rahmen seines ARTNETHNIC*-Vorhabens die Schule nur wenige Monate vor dem verheerenden Tsunami im Jahre 2004 besucht hatte und Kontakte zu seiner damals neuen Stammschule, dem Institut für Hörgeschädigte, zu knüpfen versucht hatte. Knapp 50 der rund 100 Schülerinnen und Schüler hatten nur überlebt; die meisten ausgestellten Kunstwerke sind daher den Tsunami-Opfern der Sambodhi Schule zuzuordnen!

Der zweite, fröhliche Teil der Doppelausstellung „Ozean des Friedens“ lautet im Untertitel „Meri Dispela“, was etwa so viel bedeutet wie geteilte Frau. (Ein paar Sprachbeispiele von TOK PISIN (= talk pigin) sind in der Ausstellung zu erspähen, was nicht der Belustigung dienen mag, sondern über die Tatsache Aufschluss gibt, dass zwischen 800 und 1000 Sprachen – nicht Dialekte! – auf Neuguinea, der zweitgrößten Insel der Welt, gesprochen werden, was die höchste Sprachendichte auf unserem Globus darstellt!)
Zwölf Erstklässler des Institutes für Hörgeschädigte in Straubing begaben sich in der vergangenen Woche mit Herrn Brieger und ihrer Lehrerin, Frau Andrea Bachmann, auf die spannende Reise in den Ozean des Friedens, den man eben auch Pazifischen Ozean nennt. Gemeinsam mit seinen Abschlussschülern grundierte Herr Brieger Ulmer Malplatten, die bereits mit einem Stegrahmen gefertigt sind. Helena, Lea, Lukas und Moritz – vier sozial wie künstlerisch engagierte Jugendliche – wurden von ihrem Klassenleiter auserkoren, den Kleinen bei allen Umsetzungsproblemen behilflich zu sein. Es war ein wahrer Genuss, die gegenseitige Wertschätzung und Unterstützung miterleben zu dürfen. Die Nacharbeit erledigten dann wieder die Neuntklässler, obwohl die Entwürfe und Ideen den Abc-Schützen zuzuschreiben sind! Erst in der Bogener Galerie zeigte sich dann die ganze Pracht, als Herr Direktor Geisperger und Herr Bürgermeister Schedlbauer, der ja auch in seiner Funktion als Bezirkstagsvizepräsident in einer besonderen Beziehung zu den jungen Künstlern steht, die Ausstellung offiziell eröffneten.

Der 1944 in Miugu, im Chimbu-Land Papua-Neuguineas, geborene Maler Mathias Kauage gehört zu den bekanntesten modernen Künstlern seines Landes, wie des pazifischen Raumes überhaupt! In seinen Werken verschmilzt er traditionelle Formen mit den Symbolen urbaner, westlicher Kulturen. Kauages Bilder wurden u.a. in Sydney, Los Angeles, Prag, London und Berlin gezeigt. Mathias Kauage lebte und arbeitete in Port Moresby, der Hauptstadt Papua-Neuguineas. Leider ist er 2003 verstorben! Heutzutage ist der von Queen Elizabeth II. in den Ritterstand erhobene Mathias Kauage für Stefan Brieger der Inbegriff ozeanischer Kunst, ähnlich wie sein Freund Gickmai Kundun. Den Gegenständen der fremden, westlichen Welt zwingt er die Disziplin seiner traditionellen Ornamentik auf. Traditionelle Muster, die Kauages Vater noch mit einem heißen Eisen in Bambusflöten eingebrannt oder auf die Speere geschnitten hatte, verschmelzen in seinen Bildern mit den Symbolen der Urbanität. So leuchten Autos, Flugzeuge, Motorräder, Hubschrauber, die englische Königin, Boxer und Gangster in seinen Bildern in den bunten Farben eines Chimbu-Kriegers in vollem Tanzschmuck. Schlangen und Geister fliegen in Helikoptern oder fahren in Schiffen nach Deutschland. Über sein Verhältnis zur Tradition sagte Kauage: „Ich würde gerne an den alten Sitten unserer Vorfahren festhalten, aber ich weiß nicht genug. Sie wussten so viel! Ich weiß nur, wie man Bilder malt, das ist alles.“
Nicht nur das freudvolle Malen mit herrlichen Temperafarben schien Stefan Brieger als Kunsterzieher wichtig, sondern auch als Ethnologe das Entwickeln von Interesse am Fremden und das Aneignen von Informationen über andere Kulturen, das Einüben des Perspektivenwechsels, d.h. das Hineinversetzen in andere Sichtweisen, das Erkennen ethnozentrischer Annahmen im eigenen Denken sowie in den Äußerungen anderer und folglich das Überwinden von Vorurteilen! Nur der kompetente Umgang mit Mitgliedern anderer Kulturen sowie die Förderung von Werten und Einstellungen, wie Offenheit, Toleranz, Akzeptanz und Respekt, kann ein ausgeglichenes Miteinander in unserer Welt als „Ozean des Friedens“ sichern!

*) ARTNETHNIC: Internationales Kunstnetzwerk zwischen Schulen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung / gegründet 1991 von Stefan Brieger / Schirmherrschaft: Seine königliche Majestät von Lesotho

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